Antworten auf die Sommer-Fragen von TME

Am 17.08.26 erschienen unsere Antworten im Tägliche ME

Die Partei/Wählergemeinschaft hat den Wahlkampf geführt – wie schaut man aus dieser Position auf die Ratsarbeit der ersten sieben Monate? Findet man in den tagesaktuellen Diskussionen die eigenen Wahlkampfthemen wieder?

Die ersten sieben Monate nach der Kommunalwahl zeigen, dass sich ein engagierter Wahlkampf gelohnt hat. Obwohl das Wahlergebnis natürlich noch Luft nach oben hat und wir in der Folge einige entscheidende personelle Veränderungen in Partei und Fraktion hatten, gingen wir mit viel neuem Schwung in unsere konstruktive und gestaltende Ratsarbeit. Diese Haltung soll sich auch im weiteren Verlauf der Wahlperiode fortsetzen.

Wir arbeiten weiter an den grünen Kernthemen, die auch wichtiger Bestandteil der zu beratenden Themen in Wülfrath sind. Ob generell zum Klimaschutz, „Grüner Treff“ zum Thema: „Hitzeresilienz“ dem Mobilitätskonzept und der „Gründung der parteiübergreifenden Initiative „Fahrradfreunde Wülfrath“ oder sozialen Themen, wie familienfreundliche Kinderbetreuung (z.B. Höhe der Elternbeiträge). Wir GRÜNEN setzen Akzente und wollen gestalten, dies werden wir auch in der Zukunft wahrnehmbar tun. Die konstruktive Zusammenarbeit mit den anderen demokratischen Parteien macht sachorientierte Politik möglich und bringt echte Fortschritte für unsere Stadt.

Welchen zwei Themen sollten aus Ihrer Sicht in den kommenden Monaten verstärkt diskutiert werden und warum?

Ganz aktuell ist aufgrund der Klimakrise die Hitzebelastung für die Menschen auch in Wülfrath sehr herausfordernd. Eine angemessene Reaktion darauf ist dringend notwendig. Die Entsiegelung von Flächen, die Schaffung von Schattenplätzen, durch Begrünung u.a. stehen auf der grünen Agenda. Aber auch weitere Folgen extremer Wetterlagen, wie Starkregen müssen in den Blick genommen werden, Stichwort: Schwammstadt.

Endlich liegt das langersehnte Mobilitätskonzept für Wülfrath vor. Neben allgemeinen Bemerkungen enthält es auch konkrete Handlungsanweisungen, die zeitnah umgesetzt werden sollten. Wir Grüne werden uns dafür einsetzen, dass der öffentliche Straßenraum in Zukunft gerechter unter den am Verkehr Teilnehmenden aufgeteilt wird. Rad-und Fußverkehr sicherer, öffentliche Verkehrsmittel attraktiver und der Individualverkehr zukunftsorientiert weiterentwickelt wird. Wir setzen uns dafür ein, dass das Mobilitätskonzept nicht in der Schublade verschwindet.

Für viele ist das beschlossene Mobilitätskonzept noch nicht wirklich greifbar. Was sind für ihre Partei/Wählergemeinschaft die Felder, die zuerst bearbeitet werden sollte?

Die verschiedenen Maßnahmen des Mobilitätskonzepts müssen jetzt schnell für die Menschen im Alltag sichtbar und spürbar werden. Für uns haben zwei Bereiche absolute Priorität: Die Sicherheit auf den Geh- und Radwegen, es braucht eine Berücksichtigung und Gleichberechtigung aller am Verkehr Teilnehmenden. Die Optimierung des ÖPNV ist ein wichtiges Anliegen, insbesondere für alle, die darauf angewiesen sind, aber auch um Menschen für den Umstieg auf den ÖPVN gewinnen zu können. Mit der testweisen Taktverdichtung der Linie 601 von bzw. zum Bahnhof Aprath ist ein erster wichtiger Schritt beschlossen worden. Auch der Radverkehr sollte deutlich in den Focus genommen werden, hier lassen sich oft mit überschaubaren Mitteln deutlich Verbesserungen für Radfahrende erzielen.

Wir erleben in diesem Jahr mehrere Hitzewochen und weitere sind angekündigt: Was und wie könnte die Stadt in Sachen Hitzeschutz mehr oder anders tun?

Wülfrath muss widerstandsfähiger gegen Hitzeperioden werden. Wir setzen uns für konkrete Maßnahmen ein.

Dazu gehören: Flächenentsiegelung auf Schulhöfen und Parkplätzen aber auch in der Innenstadt, Neupflanzungen von schattenspenden Bäumen im Innenstadtbereich, Mikroparks, Bepflanzung in mobilen großen Betonkübeln, wenn Bodenpflanzung nicht möglich ist, Randstreifenbegrünung, usw. Darüber hinaus sollten kühlende Oasen in öffentlichen Gebäuden z.B. in der Bücherwelt und im Rathaus vorgehalten werden, wobei die Kombination von Fotovoltaik-Anlagen mit Klimaanlagen Priorität haben sollten. Ausreichend Trinkwasser sollte kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sei es durch Trinkwasserbrunnen oder Refill-Angebote. Auch die öffentlichen Schulen und Kitas müssen hitzeresistent gemacht werden, sei es durch Sonnensegel auf den Schulhöfen bzw. Außengeländen, besserer Hitzeschutz in den Gebäuden z.B. durch außenliegenden Sonnenschutz. Und innen die Bereitstellung von Wasserspendern, sowie den Temperaturen entsprechendes Verhalten der Nutzer*innen. Örtliche Unternehmen könnten, sowohl im Rahmen von Sponsoring Maßnahmen, als auch für die Hitzeschutzmaßnahmen gewonnen werden.

Erhöhte Aufmerksamkeit brauchen grundsätzlich gesundheitliche Aspekte und besonders vulnerable Personengruppen, sie müssen ebenfalls besser vor den Folgen der Klimaerwärmung und Extremwetterereignissen geschützt werden. Häufig sind sie selbst dazu nicht mehr in der Lage, weshalb der Stadtgesellschaft hier eine besondere Verpflichtung zu kommt. Die Zusammenarbeit mit dem Seniorenrat könnte nicht nur helfen die Bedürfnisse zu ermitteln, sondern auch bei der Entwicklung von geeigneten Lösungen.

Im Wahlkampf war das „Ehrenamt“ bei vielen Parteien/Wählergemeinschaften ein großes Thema: Was würden Sie sich zur Stärkung ehrenamtlicher Mitarbeit wünschen? Wo hat Wülfrath Nachholbedarf, wo läuft es gut?

Als erstes gehört hier ein großes Dankeschön für ihren Einsatz an alle ehrenamtlich Tätigen hin! Das Ehrenamt ist für das Gelingen von Gemeinschaft und Gesellschaft in Wülfrath, aber auch in anderen Städten unverzichtbar. Das Engagement in den Wülfrather Vereinen, der Feuerwehr und den sozialen Verbänden und Initiativen ist herausragend und das Herz unserer Stadt, was sie auch so lebenswert macht.

Wir würden uns wünschen, dass das Ehrenamt in der öffentlichen Wahrnehmung weiter gestärkt wird, durch z.B. Ehrenamtstage oder die Würdigung durch die Stadtgesellschaft, wie durch den nun wieder geplanten Empfang für die Ehrenamtlichen. Auch die Presse hat hier eine wichtige Funktion, die sie zum großen Teil bereits wahrnimmt, indem sie Ehrenamtliche und ihr Engagement vorstellt und würdigt. Das Ehrenamt sollte bei Bedarf auch finanzielle Unterstützung erhalten, wenn es darum geht, Mittel zu beschaffen, die die Arbeit erleichtern bzw. diese noch besser machen könnten bzw. die Ehrenamtlichen entlastet.

Ein Thema seit mehr als zwei Wahlkämpfen: die „Neue Mitte“ Wülfrath. Was stellen Sie sich darunter vor?

Mit der Perspektiven Werkstatt Wülfrath 2015 und dem Stadtentwicklungsplan gibt es bereits gute Ansätze für die Entwicklung der „Neue Mitte“ das darf aber kein reines Betonprojekt sein, sondern muss das lebendige Herz Wülfraths werden. Die bekannten Ergebnisse müssen an die aktuellen Entwicklungen und Trends angepasst werden – gern am „Runden Tisch“ mit Vertreter*innen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Dabei gilt es immer darauf zu schauen, wer kann was in Wülfrath besonders gut und was bringt für viele die meisten Vorteile. Wir stellen uns einen grünen, barrierefreien Begegnungsort vor, der Verweilqualität ohne Konsumzwang bietet. Ein Mix aus kleinteiligem, nachhaltigem Handel, Dienstleistung und (Außen-)Gastronomie, Raum für Kultur und viel Schatten durch Bäume wird unsere Innenstadt beleben und zukunftsfähig machen. Es braucht verkehrsberuhigte Bereiche und Aufenthalts- bzw. Treffpunkte, vielleicht einen Platz für Urban-Gardening. Die Bereiche rund um Krapp`s Teich, der Platz Am Diek und die Fußgängerzone sollten vorrangig in den Blick genommen werden. Die „Neue Mitte“ soll ein Treffpunkt – das Wohnzimmer Wülfraths – für alle Generationen werden. Und wenn dann Menschen aus anderen Städten zu uns kommen, dann haben wir es richtig gemacht.