Der sogenannte „Bauturbo“ ist mit dem Ziel, Wohnbauvorhaben schneller zu
ermöglichen, im Oktober 2025 verabschiedet worden.
Wenn wir unterschiedliche Szenarien betrachten ergeben sich folgende Änderungen:
Es besteht die Möglichkeit, Befreiungen von Festsetzungen im Bebauungsplan zu
erlangen. Dies gilt aber ausdrücklich nur für Wohnungsbau. Trotzdem sind nach wie
vor nachbarliche und städtebauliche Belange zu berücksichtigen und
Umweltauswirkungen zu vermeiden.
Im Innenbereich, also in zusammenhängend bebauten Ortsteilen, werden erhebliche
Erleichterungen ermöglicht, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Das ist aus unserer
Sicht eine positive Entwicklung. Im Innenbereich ist in der Regel eine gute Infrastruktur
(ÖPNV, Einzelhandel, Kitas, Erschließung mit Strom, Wasser etc.) bereits vorhanden.
Hier sehen wir gute Voraussetzungen zur Schaffung von preiswertem Wohnraum in
zentraler Lage für Menschen, die auf das private Auto verzichten wollen oder müssen.
Wir würden hier noch einen Schritt weiter gehen und z.B. Stellplatznachweise, die in
Innenstädten oft nicht möglich sind und zu hohen Ablösesummen führen, zu
erleichtern.
Die Änderungen für Wohnbebauung im Außenbereich ist bis Ende 2030 befristet. Das
ist aus gutem Grund erfolgt, weil man hier vermutlich „Wildwuchs“ durch Investoren
befürchten muss.
Wir, Bündnis90/ DIE GRÜNEN, haben bisher und lehnen nach wie vor neue
Entwicklungen von Wohnen auf der grünen Wiese ab. Wir sehen in der
Nachverdichtung im Innenbereich oder Umnutzung von vorhanden Gebäuden
ausreichende Möglichkeiten, preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. Wir befürworten
allerdings nicht die wahllose Umwandlung von Einzelhandelsflächen in der Wülfrather
Innenstadt.
Wo liegt der eigentliche Fokus?
Einfamilienhäuser auf der grünen Wiese sind nicht die Lösung für Wohnungsnot. Die
Tatsache, dass statistisch genügend Wohnraum zur Verfügung steht sieht real ja so
aus, dass manche Menschen 200 m² oder mehr pro Person zur Verfügung haben,
viele andere aber in Wohnungen mit 30 m² und weniger pro Person leben. Den
Menschen hilft es nicht, wenn die durchschnittliche Wohnfläche aktuell 49,2 m² pro
Kopf beträgt.
Daher befürworten wir die beschriebenen Lösungen für eine Nachverdichtung im
Innenbereich und unterstützen kreative Lösungen, z.B. nach skandinavischem Vorbild,
auf wenig Fläche intelligente Grundrisse zu entwickeln, die unterschiedlichen
Lebensumständen gerecht werden. Wohnraum ja, intelligent und nicht auf Kosten von
Lebensqualität in unserer Stadt, Wülfrath als lebenswerte Stadt.